Ist Al Bundy ein Sisyphos? – Al Bundy: “So you think I’m a loser…”

Vor einiger Zeit habe ich bereits den Sisyphos in Camus Gedankenwelt angesprochen. Nun ist mir dank eines einestages-Artikels auf Spiegel Online ein Video von Al Bundy aus der von mir geliebten Serie “Eine schrecklich nette Familie” (im Original „Married…with Children“) auf die Füße gefallen.

An dieser Stelle spricht Bundy mit seiner ehemaligen Schulbibliothekarin, welche vorausgesehen hat, dass Al Bundy als Verlierer enden wird. Er schätzt seine Situation allerdings in diesem Moment ein wenig anders ein. Ich zitiere mal den deutschen Synchonisationstext aus dem einestages-Artikels:

“Sie glauben ich bin ein Verlierer? Nur weil ich einen Scheißjob habe, den ich hasse? Eine Familie, die mich nicht respektiert? Eine Stadt, die den Tag verflucht, an dem ich geboren wurde? Gut, das ist vielleicht für Sie ein Verlierer, aber ich will Ihnen mal was sagen: Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, weiß ich, es kann gar nicht besser werden, bis ich mich wieder schlafen lege. […] Aber ich bin kein Verlierer. Weil ich trotz alledem, genau wie jeder andere, der nie sein wird, was er mal sein wollte, mich doch da draußen rumtreibe und das bin, was ich nicht sein wollte, vierzig Stunden pro Woche, lebenslang. Und die Tatsache, dass ich mir keine Kanone in den Mund stecke, Sie Pudding von einer Frau, macht mich zum Sieger!

Möglich, dass Al Bundy diese Verteidigung nur antritt, um im Recht zu bleiben. Wahrscheinlich, dass er  sich viele Male im Leben selber als Verlierer betrachtet. Aber dennoch lässt er sich jeden Tag in dem kleinen Schuhgeschäft in der Einkaufspassage, von seiner Frau, von seinen Kindern und sogar von seinem Hund Buck (bzw. Lucky) demütigen.

Er weiß aber um seine Situation. Weiß um die eigene Absurdität und seine Stellung in der Welt Doch führt dies zur Kapitulation? Nein! Jeden Tag kämpft Al Bundy aufs neue diesen hoffnungslosen Kampf. Er wird von allen belächelt oder ganz offen ausgelacht.

Die einzigen die gelegentlich zu ihm halten, sind seine Leidensgenossen von NO MA’AM, welche in ihrer Welt einen ähnlich hoffnungslosen Kampf kämpfen. Nutzt man hier das Bild vom Herrn und Sklave, dass Camus in mehreren seiner Bücher aufgreift, so kann man die Frauen (mit Kinder) als Herren und die Männer als Sklaven betrachten. Hin und wieder kommt der Moment in dem die Sklaven bewusst “nein” sagen. In Der Mensch in der Revolte heißt es dazu (S. 22 ff.):

Der Sklave, der sich gegen den Herrn erhebt, denkt nicht daran, diesen Herrn als Menschen zu leugnen. Er leugnet ihn als Herrn. Er Bestreitet sein Recht, ihn, den Sklaven, als Forderung zu leugnen. [...] Mit seinem Protest bestätigte er die Existenz des Herrn, gegen den er sich auflehnte. Und gleichzeitig bewies er, daß er dessen Macht an seine eigenen Abhängigkeit gebunden hielt, und er bekräftigte seine eigenen Macht: unaufhörlich die Überlegenheit dessen in Frage zu stellen, der ihn bis dahin beherrschte. In dieser Hinsicht sind Herr und Knecht in der gleichen Zwangslage: die zeitweilige Herrschaft des einen ist ebenso relativ wie die Unterwerfung des andern.

So gesehen können wir Al Bundy als einen Sklaven in der Revolte ansehen.

Dies macht ihn möglicherweise zum Sisyphos im Sinne Camus. Aber stimmt dies wirklich? So ganz passt es nicht. Immer wieder versucht Al Bundy auszubrechen. So träumt er den Traum des erfolgreichen Footballspielers. Ist diese Utopie die Abweichung vom Sisyphos oder eher der Traum der mit der Revolte einhergeht? Ich bin mir nicht sicher.

Über Sisyphos sagte Camus:

Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.

Ob dies auch bei Al Bundy zutrifft, darf zumindest bezweifelt werden. Aber möglicherweise ist er tatsächlich glücklich mit seinem Los. Wenn dem so ist, so hat er dies zumindest sehr gut zu verbergen gewusst.

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Wunschliste an Joachim Gauck, Bundespräsident in spe

Sehr geehrter Herr Joachim Gauck,

Was schlüpft aus dem Ei? Foto: dapd

Was schlüpft aus dem Ei? Foto: dapd

früher da war die Welt doch scheinbar einfacher. Früher das war vor einem guten Jahr. Am 30. Juni 2010 wäre ich vermutlich einfach zufrieden gewesen, wenn Sie die Wahl zum Bundespräsidenten gewonnen hätten. Und Sie vermutlich auch. Bekanntlich kam alles ein wenig anders und muss hier nicht groß ausgeführt werden.

Die Wahl 2010 ist jedoch in sofern wichtig, als dass diese mir zum einen die Möglichkeit gab, im Herbst 2010 einer Ihrer Buchlesungen beizuwohnen. Zum anderen hatte ich nun eineinhalb Jahre Zeit, um über meine persönlichen Anforderungen hinsichtlich der Eignung zum Bundespräsidenten nachzudenken.

Anders formuliert: Ich konnte mir einen Katalog erarbeiten, der mir als Check-Liste für die Bewertung des Bundespräsidenten geeignet erscheint. Hält ein Bundespräsident dieser Check-Liste nicht stand, hätte man das Amt des Bundespräsidenten meiner Ansicht nach in dieser Zeit auch schließen können. Wir alle hätten uns damit viel Geld und Pein erspart.

Sehr geehrter Herr Gauck, diese Check-Liste umfasst acht Anforderungen, die mir geboten erscheinen. Diese möchte ich Ihnen hiermit mit auf den Weg geben:

  1. Seien Sie integer, transparent, gehen Sie offensiv und ehrlich mit Ihren Schwächen um und beichten Sie der Öffentlichkeit vor der Wahl ihr kleinen und großen “Sünden”, die hinsichtlich des Amtes zum Problem werden könnten. Nur dann wissen die Vertreter in der Bundesversammlung wen sie eigentlich wählen.
  2. Seien Sie ein Präsident aller Deutschen unabhängig davon, ob diese eine Staatsbürgerschaft besitzen oder nicht. Bedienen Sie dabei nicht nur die Intellektuellen der Bürgerlichen-Mitte. Geben Sie auch den Menschen, die nicht Ihrer Meinung sind, die Hand und schwingen sie sich nicht zum Oberlehrer auf!
  3. Haben Sie dennoch keine Angst ein klares Profil zu zeigen. Ohne eigene Meinung, die die Menschen zum nachdenken bewegen könnte, ist das Amt obsolet. Wählen Sie ihre Worte aber weise. Eigene Meinung bedeutet nicht: Hauptsache ich stoße anderen vor den Kopf.
  4. Nehmen Sie sich viel Zeit für das Gespräch mit dem Bürger. Gehen Sie auf diese in persönlichen Gesprächen im kleinen Kreis und im jeweiligen Umfeld zu. Hören Sie dabei viel zu. Erklären sie durch abwägende, aufrichtige Aussagen.
  5. Reden Sie mit Herz. Gehen Sie auf den Menschen als Individuum ein, kümmern Sie sich um deren Sorgen, verzeihen Sie Fehler und wecken Sie Hoffnung, Tatendrang und Mut bei den Menschen.
  6. Legen auch Sie Mut und Weitsicht bei der Wahrnehmung ihrer Prüfungskompetenz von Gesetzen an den Tag. Haben Sie Mut bei Verfahrensfehler und Angriffen auf das Grundgesetz die Unterschrift zu verweigern und das Grundgesetz zu verteidigen.
  7. Streben Sie Einklang zwischen (individueller) Freiheit und (individueller) Sicherheit in Ihren Worten und Taten an. Sie sind ein Mensch der zur Freiheit strebt. Freiheit darf aber nicht zur Vernachlässigung der sozialen Geborgenheit, gerade der abgehängten Menschen in Deutschland, führen. Bleiben Sie ein Freund der freiwilligen Eigeninitiative und des Engagements eines jeden Einzelnen. Vergessen Sie aber nie, dass diese nur da entsteht wo es auch eine Perspektive gibt. Dass für jeden einzelnen diese Perspektive, also das Leben von Freiheit und Sicherheit an jedem einzelnen Tag, soll unser Utopia sein, das wir anstreben.
  8. Seien Sie in der Integrationsdebatte mutig und fordern Sie von beiden(!) Seiten mehr ein. In Deutschland leben unheimlich viele gut integrierte Menschen die uns verstockten Deutschen sehr, sehr gut tun. Ich wünsche mir mehr Menschen aus dem Ausland in Deutschland, die bei uns heimisch werden. Und ich wünsche mir, dass wir ein buntes Land werden, in dem sich alle heimisch und nicht “überfremdet” fühlen können. Gerade hierfür müssen wir Deutschen uns noch sehr Anstrengen. Unterstützen Sie uns dabei.
  9. Seien Sie bitte nicht immer meiner Meinung. Versuchen Sie mir lieber Ihre Meinung zu erklären. Drücken Sie mir aber nie(!) Ihre Überzeugung aufs Auge.

Sehr geehrter Herr Gauck, Sie sind mir auf der einen Seite durch das persönliche Treffen sympathischer geworden. Auf der anderen Seite habe ich die Messlatte höher gelegt. Dennoch bin ich mir sicher: Sie können Bundespräsident in dem Sinne, wie ich es oben skizziert habe, werden. Sollten Sie jedoch nur den Wink-August geben, lustig auf Auslandsreise gehen und sich zwei- bis dreimal im Fernsehn bei Rede blicken lassen, so werde ich enttäuscht sein.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Wahl und für den Fall eines Wahlsieges eine gute und menschliche Amtszeit frei von selbstverschuldeten Skandalen.

Mit freundlichen Grüßen,

hetone

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What really Grinds my Gears – Mensch- und Medienarbeit zum neuen Bundespräsidenten und anderswo

Peter Griffin on Quahog News - What Really Grinds My Gears (Quelle: http://familyguy.wikia.com)

Ich muss mich outen. Ich habe mich die letzten Tage (vermutlich aber schon mein ganze Leben lang) durch gelesene Artikel pseudo-informieren lassen, ohne den Inhalt dieser zu hinterfragen. Nun stelle ich wieder einmal mehr fest: In den meisten Artikeln steht lauter Quatsch.

Zu spät/zu selten habe ich diese hinterfragt und recherchiert. Und wenn ich dann doch erkannt habe, dass ich oft großer Grütze aufgesessen bin, war ich vor allem von mir selber enttäuscht. Aber auch von den Journalisten und den Leuten die diese Artikel und Zitate zigfach weitergeleitet haben, ohne diese selber zu hinterfragen.

Worum geht es? Ich frage mich warum Informationen (absichtlich) so stark verdichtet und aus dem Kontext gerissen werden müssen, bis ihr eigentlicher Sinn gänzlich entstellt ist.

Ob nun im Artikeln ( tagesspiegel, spiegel, blogs, nachdenkseiten (ich liebe diese Seite eigentlich!), giessener Zeitung (die erstmal Gaucks Biographie lesen soll, bevor sie den “Mantel des Schweigens” in den Mund nimmt), usw.), auf Bildern oder Kommentaren (die von mir aus ruhig einseitig sein dürfen) irgendwie habe ich den Eindruck, da fehlt doch etwas. Irgendwie ist das alle zu klar, um nicht verschwommen zu sein?

Irgendwie wird immer so getan, als ob sich Joachim Gauck in der DDR nach eigenen Aussagen wie eine zweite Sophie Scholl verhalten hätte. Und dazu ist er für die totale und nicht diskutierbare individuelle Freiheit bei gleichzeitiger Vollkaskoversicherung für alle. Ach und ja. Es gibt natürlich eine Demonstrationspflicht gegen alle Banken! Und sowieso, eigentlich ist er ja immer der Meinung des jeweiligen Autors. Aber halt. das stimmt ja gar nicht?? Empörend!!! So etwas ist natürlich eines Bundespräsidenten in spe völlig unwürdig. Wenn er Ehre hätte müsste er Zurücktreten, Zurücktreten von der Kandidatur.

Okay, das war nun polemisch und übertrieben und nicht nett. Aber mir scheint es so, als ob man Joachim Gauck (wie auch Christian Wulff), der mir ein – zum Glück – normaler Mensch mit Stärken und Schwächen zu sein scheint, moralisch besonders hochhebt, nur um ihn um so tiefer fallen zu sehen. Es gibt keine Menschen ohne Fehler. Der Natur sei Dank!

Andererseits: Legt man die selben Maßstabe an Gauck wie an Wulff und sollte Gauck sich ebenfalls (Vorsicht es gilt auch bei Wulff noch die Unschuldsvermutung!) Vorteile durch Beziehungen mit der Staatssicherheit erhalten und genutzt haben, ist dies natürlich zu diskutieren. Möglicherweise mit Konsequenzen. Immer unter dem Aspekt: Hat er damit seinem Amt (Pfarrer) oder dem Volk geschadet? Mit dem Staat ist es hierbei frei nach Harro Schulze-Boysen(hingerichtet 1942)

Jeder muß Sorge tragen, daß er – wo immer er kann – das Gegenteil von dem tut, was der heutige Staat von ihm fordert.

allerdings etwas schwierig hinsichtlich einer solchen Bewertung.

Betrachten wir aber die Vorwürfe die sich aufs Heute beziehen (Sarrazzin, Occupied Wallstreet, Vorratsdatenspeicherung). Hier greift meine Kritik von oben. Es handelt sich oftmals um sehr verkürzte und falsch darstellende Artikel (oben bereits verlinkte Artikel). Daher scheint mir die kritische Analyse von Patrick Breitenbach sehr hilfreich um zu bewerten was Gauck tatsächlich gesagt hat und was sich daraus eigentlich eher nicht ergibt. Diesen Artikel würde ich jedem als Abendlektüre (vorallem mit den angegebenen Primärquellen!) ans Herz legen. Besser kann ich es leider auch nicht zusammenfassen. Nett sind auch die Artikel aus dem Cicero und von Sascha Lobo zu lesen.

[1. Edit 21.02;23:30: Zur vermeintlichen Stasivergangenheit habe ich noch einen Artikel gefunden, der alle Vorwürfe mehr oder weniger verwirft. Leider gibt es hier keine Quellen, daher bin ich skeptisch, ob man diesem so glauben kann.]

[2. Edit 22.02;09:30: Dankenswerterweise hat mich eucksenerbe darauf aufmerksam gemacht, dass ich in seiner Bezugsquelle, einem Spiegel-Artikel, genau den Nachweis finde, den ich noch in meinem ersten Edit eingefordert hatte. Danke! Viele Aussagen decken sich mit den Aussagen aus Gaucks Biographie, zumindest soweit ich diese noch im Gedächnis habe (das Buch liest derzeit eine Freundin und ist somit grade nicht zur Hand). So liest es dich schon deutlich weniger dramatisch. Wenngleich Punkte ungeklärt zu bleiben scheinen:

Der SED-Mann seinerseits wollte von Gauck Details über Personen aus der kirchennahen Dissidentenszene wissen, beispielsweise über den Theologen Heiko Lietz, einen der mutigsten Oppositionellen im Norden der DDR. Mit den Antworten Gaucks war Manteuffel offenbar zufrieden. Im Juli 1988, nach dem Kirchentag, gab er zu Protokoll: "Über dieses Problem Lietz ... habe ich mehrfach unter vier Augen mit Herrn Gauck gesprochen. Im Nachhinein lässt sich eindeutig aussagen, dass die Versprechen, die Gauck gegeben hat, auch von Herrn Gauck verwirklicht wurden."

Doch mehr als einen ruhigen Verlauf des Kirchentages will Gauck nie zugesagt haben. Lietz jedenfalls fühlt sich nicht hintergangen: "Ich konnte doch auf dem Kirchentag reden. Dafür hat Joachim Gauck selbst gesorgt."

Was hiermit gemeint ist, ist mir noch nicht ganz klar geworden. Euckenserbe kann hier in seinem Blogeintrag aus meiner Sicht leider auch nicht abschließend für Klarheit sorgen. Es gibt aber soweit mir scheint keine Indizien die auf eine Denunziation durch Gauck hindeuten würden. Ansonsten sehe ich derzeit die Beschuldigungen zur "ungeklärten Stasi-Vergangenheit" als unbegründet an.]

Ich werde morgen vermutlich noch einen kurzen Artikel dazu verfassen, was ich vom nächsten Bundespräsidenten erwarte. Um es aber vorwegzunehmen und zu betonen: Ich bin Joachim Gauck Sympathisant, stelle ihm inhaltlich aber keinen Blankoscheck aus. So muss er aufpassen, dass das Thema soziale Gerechtigkeit nicht zu seinem Schwachpunkt wird. Niemand soll wegen mir Gauck lieben. Wer ihn ablehnt darf es gerne tun, aber dann bitte aus guten Gründen und nicht aus sinnentstellenden Wortfetzen heraus, die im Stammtisch legendär wären.

Für mich stellt sich immer mehr mit Grauen die Frage, in wieweit ist diese Art der Medienarbeit einfach (ähnlich wie bei Wulff?) gezielte Manipulation und Täuschung? Und was möglicherweise noch schlimmer ist: Wie weit sind Menschen bereit dies aus Bequemlichkeit bewusst nicht zu hinterfragen? Ich bin leider oft das beste Beispiel.

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Literaturempfehlung: Wirtschaftskrisen – Irrationalität auf Finanzmärkten

Ich habe zwar ich erst etwa zweieinhalb Dekaden auf diesem Planeten zugebracht. Aber nichts desto weniger wurde mein Schaffen von unzähligen ökonomischen Krisen begleitet und mitbestimmt.

Japan steckt seit zwanzig Jahren in einer Dauerkrise. Asienkrise Mitte der 90er Jahre. Dotcom-Blase. Stellenmangel für Ingenieure Anfang der 90er Jahre vs. Ingenieursmangel 2010er. Insolvenz Argentiniens 2001. Tortilla-Krise 2007. Finanzkrise und anschließende Weltwirtschaftskrise 2008. Dies sind nur einige von unzählbar vielen Krisen der letzten Jahre.

Krisen sind kein Teufelswerk. Schon Schumpeter hob vor 100 Jahren die Kraft der schöpferischen Zerstörung als positives Element im Kapitalismus hervor. Aufgabe der Volkswirte sollte es aber sein, die Intensität der Krisen nicht unmenschlich werden zu lassen. Hierfür ist das Wissen über historische Krisen und über die menschliche Psyche von immenser Bedeutung.

Das Bild des homo economicus kann meiner Ansicht nach in dieser Betrachtung keine sichere Insel darstellen. Es würde vielmehr wichtige Ursachen von Krisen vernebeln. Hinzu kommt, dass mir das mangelnde Wissen der Menschen, und da schließe ich mich gerne mit ein, über die vergangenen Krisen und die Psychologie der Menschen sorgen bereitet.

Wir leben frei nach dem Motto ‚Heute ist keine Krise, dann kommt sie morgen auch nicht! Heute ist Krise, morgen wird alles noch schlimmer sein!‘ und schreiben unsere Erwartungen von heute unkritisch fort.

Daher werde ich hier in Zukunft immer wieder einige Studien und Artikel zum Thema Wirtschaftskrise vorstellen. Ich werde versuchen überwiegend freie, öffentlich zugängliche Literatur vorzustellen, leider ist mir das nicht immer möglich. Für eine jeweilige Leseprobe sprecht mich aber in diesen Fällen gerne an.

Beginnen möchte ich mit einem Artikel aus dem Buch “Kapitalismus: Historische Annäherungen” (2011) von Gunilla Budde.

Buchcover 'Kapitalismus: Historische Annäherungen'

Buchcover 'Kapitalismus: Historische Annäherungen'

Artikel

Der Beitrag “Rationalität und Irrationalität auf Finanzmärkten” stammt aus der Feder des deutschen Wirtschafts- und Sozialhistorikers Hartmut Berghoff, u.a. seit 2008 Direktor des Deutschen Historischen Instituts, Washington D.C..

Inhalt

Ausgehend von der Blase um die South Sea Company um das Jahr 1720 stellt Berghoff dar, wie selbst vermeintlich rationale Geister – in diesem Fall Sir Isaac Newton – den spekulativen Charakter von Wertanlagen zwar durchschauen, ihnen am Ende aber doch zum Opfer fallen und viel Geld verlieren.

Krisen sind damit keine Erfindung der letzten zwei Jahrhunderte und anhand des Indices der realen Hauspreise in den USA (Case-Shiller Home Price Index) seit dem Jahr 1890-2009 zeigt Berghoff auf, dass es genügend frei verfügbare Informationen gab, die vor der Finanzkrise 2008 die Anleger hätten stutzig machen können.

Case-Shiller Home Price Index

Index der realen Hauspreise (Case-Shiller Home Price Index) und Baukosten sowie die Bevölkerungsentwicklung in den USA, 1890-2009

Es tritt also folgende Frage zutage:

Rationale Homines oeconomici hätten anders agiert und die zur Verfügung stehenden Erfahrungen früherer Krisen einbezogen. Warum verstießen die meisten Akteure so gravierend gegen elementare Grundsätze des Eigennutzens und fügten sich sich und mehr noch ihren Kunden so großen Schaden zu?

Es folgt eine kritische Betrachtung der derzeitigen Anwendung von finanzmathematischen Modellen und dem eingesetzten Personal (zu viele “high potentials” mit zu wenig Krisenerfahrungen, zu kurze Datenreihen als Entscheidungsgrundlage, …).

Hieran schließt sich ein sehr interessanter Überblick über (Ir)Rationalitätsannahmen und dem “Umgang mit Unsicherheiten” verschiedener Ökonomen an. So habe John Maynard Keynes das irrationale Verhalten der Menschen über folgende vier Faktoren zu definieren gesucht:

  • Zukunftsprojektionen auf der Basis gegenwärtiger Erfahrung.
  • Orientierung an den Meinungen von Experten (“conventional judgment”)
  • Habitualisiertes Verhalten
  • Emotionale Verhaltensantriebe (“animal spirits“)

Für Keynes folgte laut Berghoff:

Die Konsequenz dieser tief in der menschlichen Natur verankerten Instabilität der Wirtschaft war für Keynes, dass der Staat eine größere Rolle zu spielen habe.

George A. Akerlof und Robert J. Shiller haben Berghoff zufolge die “Animal Sprits” aufgegriffen und folgende Faktoren als wesentlich für die Handlungsweisen der Menschen herausgearbeitet:

  • Überschießende Emotionen
  • Gruppendruck bei Entscheidungen (“Confidence multiplyer”)
  • Korruption
  • Die Geldillusion als fundamentales Wahrnehmungsproblem

Nach Eliezer Yudkowsky gäbe es “u. a. folgende sechs Quellen irrationaler Urteile”:

  • Schwarze Schwäne
  • Bestätigungsneigung
  • Kontaminierungseffekte
  • “Overconfidence”
  • Induktionsfehler
  • Verfügbarkeitsfehler

Als weiteren Faktor nennt Berghoff die “Embeddedness” Falle, also die “sozio-kulturelles Einbettung kommerzieller Transaktionen” in diverse Netzwerke (Beispiel: Bernie Madoff).

Insgesamt kritisiert Berghoff das langjährige ignorieren der genannten Faktoren durch die überwiegende Zahl der Volkswirte bei Analysen und dem entwickeln von Marktdesign. Volkswirte die sich anders verhielten würden schnell als Aussenseiter abgestempelt und ignoriert. Als Beispiel führt er hierfür Hyman P. Minsky (1919-1996) an, welcher “Finanzkrisen [...] für den Normalfall eines grundsätzlich instabilen Kapitalismus” hielt und zu seinen Lebzeiten kaum Anerkennung erhielt. Der nach ihm benannte “Minsky moment” sei ein Beispiel für Irrationalität in den menschlichen Annahmen und in beinahe allen Krisen anzutreffen.

Wo ist der Artikel/das Buch erhältlich?

Als gesamtes Buch u.a. bei Amazon, in meiner heimischen Uni-Bibliothek leider noch nicht. Den Buchabschnitt gibt es auch beim Verlag für 4,70€.

Fazit

Ich kann den Artikel zum lesen nur wärmstens empfehlen. Der Text bzw. das Buch könnte als Pflichtlektüre für alle angehenden und derzeitigen Volkswirte gelten, stellt es doch einen praxisnahen wirtschaftsgeschichtlichen Einstieg dar.

positiv:

Der Artikel zeichnet sich durch die einfache Lesbarkeit und die hohe Informationsdichte aus. Der Beitrag von Berghoff ist aus meiner Sicht sehr hilfreich für Studenten um gerade die ersten Semester im Studium richtig einzuordnen. Er hilft bei Annahmen hinsichtlich vollständiger Information und rationalen Akteuren die Verbindung zur Realität nicht zu verlieren.

negativ:

Am stärksten sollte wohl die sehr einseitige Darstellung der Rolle des Staates kritisiert werden. Die Darstellung, dass der Staat ein stabilisierend Korrektiv sei, wird leider nicht kritisch hinterfragt. Gerade nach der Wirtschafts- und Finanzkrise ist dies eigentlich nicht stillschweigend hinnehmbar. Die Mitverantwortung des Staates und der Zentralbank sind hier bedeutend.

Daneben sollte sicherlich nicht aus dem Blickfeld geraten, dass Wirtschaftsgeschichte als Hilfsmittel dienlich sein kann aber nie 100-prozentige Handlungsanweisungen geben wird. Wie oft hat uns der Transfer historischer Umstände auf heutige Situationen schon Lügen strafen lassen?

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Was haben wir eigentlich gegen die Griechen, dass wir so mit ihnen umgehen?

Seit einiger Zeit wird meine gute Laune auf eine harte Probe gestellt.

Die Situation in Griechenland wird für die Bevölkerung immer schwieriger. Lösungen … wirkliche Lösungsansätze sind nicht in Sicht. Derzeit gibt es zwei Hauptforderungen hinsichtlich Griechenlands: Gesundsparen und Wachstumsimpulse. Daneben hängen noch die beiden vermeintlichen Damoklesschwert Insolvenz und Austritt aus der Europäischen Währungsunion über Griechenland.

Doch wo bleiben im vierten Jahr nach der Finanzkrise die Wachstumsimpulse? Griechenland alleine ist dazu nicht in der Lage. Der Teil Europas der ein europaweites Konjunktur- und Strukturpaket schnüren könnte, scheint nicht gewillt dieses Pferd zu reiten. Die Bemühungen des deutschen Wirtschaftsministers Rösler waren kläglich. Dafür gibt er nun den harten Zuchtmeister.

Der Umgang mit der Situation in Griechenland (und anderen PIIGS-Staaten) hat so viel unerträgliches, dass dies schon an Totalitarismus grenzt:

Die Parlamentsmehrheit für das Sparpaket setzte sich vor allem aus Stimmen der Regierungskoalition von Sozialisten und Konservativen zusammen. Für das Gesetz stimmten 199 der 278 anwesenden Abgeordneten, 74 votierten dagegen. Die griechische Regierungskoalition schloss unmittelbar nach der Abstimmung 43 Abgeordnete, die gegen den Gesetzesentwurf gestimmt hatten, aus ihren Reihen aus. Die Sozialisten verbannten 22 ihrer Abgeordneten, die Konservativen 21. Ihre Mehrheit im 300 Sitze zählenden Parlament schrumpfte damit von 236 auf 193.

Das gesamte Gebaren, ob nun in Talkshows, Stammtischen, auf Parteitagen oder im griechischen Parlament, ist aus meiner Sicht unerträglich und eine Beleidigung für Millionen von Griechen. Meiner Ansicht nach hat das derzeitige Krisenmanagement nicht mehr viel mit demokratischen Prozessen gemein.

Versteht mich nicht falsch: Ich habe kein Problem mit sinnvollen Sparmaßnahmen, die Missstände zu beseitigen helfen. Ich habe aber ein Problem mit zeitlich und/oder inhaltlich falschen Sparmaßnahmen. Aber genau diese werden durchgezogen. Ein Staat kann in einer solchen Situation nicht wie ein Unternehmen saniert werden.

Derzeit unterbleiben tatsächliche Strukturreformen, welche glaubhaft die Abläufe in Griechenland verbessern helfen könnten. Was bringt die Entlassung von tausenden Mitarbeiter aus dem Staatsdienst, wenn diese kaum eine Chance auf eine anderweitige Anstellung haben? Was bringt die drakonische Kürzung von Lohn- und Rentenzahlungen, wenn hierdurch die Nachfrage nach anderer Arbeit geradezu implodiert? Was bringt die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes (die anfangs ein guter Ansatz war), wenn hierdurch das durch Lohnkürzungen und Inflation eh schon knappe Budget für noch weniger reicht. Wieso werden die normalen Griechen “geschröpft”, wenn man sich nicht traut das ins Ausland abfließende Kapital stärker in die Sanierung einfließen zu lassen?

Ich bin ehrlich gesagt sauer. Ich übertreibe zwar, wenn ich sage, dass die Troika (EU, EZB, EMF) ihr Konzept Griechenland überstülpen möchte, ohne dabei auf griechische Besonderheiten zu achten. Aber ein wenig Wahres ist doch dabei.

Ein Blick auf die Zahlen des Internationalen Währungsfond bezüglich des Arbeitsmarktes Griechenlands verrät uns einem massiven Anstieg der Arbeitslosenquote nach der Finanzkrise. Gleichzeitig sank die Inflation kaum, stieg aber bereits 2011 wieder – u. a. auf Grund der Mehrwertsteuererhöhung. Gleichzeitig sind die Investitionen in Griechenland massiv rückläufig. Große Besserung wird bis 2016 insgesamt nicht erwartet.

Die Mischung aus einer Arbeitslosigkeit von über 15 Prozent, historisch niedriger Investitionen und intensiver Sparmaßnahmen des Staates schwächen die inländische Nachfrage stark. Zudem ist die Staatsverschuldung stark angestiegen und die privaten Rücklagen schmelzen. Es ist also nicht zu erwarten, dass Griechenland die Situation mit der derzeitigen Medizin meistern wird.

Meiner Ansicht nach werden durch die derzeitigen Maßnahmen neben den materiellen vor allem immaterielle Werte zerstört oder stark beschädigt:

  • Das Vertrauen in demokratische Prozesse leidet sowohl in Griechenland als auch in den potenziellen und tatsächlichen Geberländern.
  • Die Einschätzung, dass der europäische Einigungsprozess mehr Vorteile mit sich bringe als Nachteile wird bereits von vielen nicht mehr geteilt. Hier könnten viele nationalistisch gefärbte Bewegungen von profitieren. Gerade emotionale Vorteile des Integrationsprozesses geraten aus dem Blickfeld und werden möglicherweise erst vermisst, wenn sie nicht mehr vorhanden sind.
  • Das Vertrauen in den ökonomischer Sachverstand wird durch die medial gehypten, aber immer gleichen Forderungen nach Sparmaßnahmen und “Gesund schrumpfen” überstrapaziert. Zusammen mit dem Versagen während der Finanzkrise entwickelt sich hier eine Legitimationskrise an der die Ökonomie in Europa noch lange zu knabbern haben wird.  Nicht, dass es nicht genügend Ökonomen mit alternativen Ansätzen gäbe, allein die breite Presse greift diese kaum auf. So wird häufig das einseitige deutsche Ideal der schwäbischen Hausfrau – welches in Teilen für die jetzige Situation mitverantwortlich ist – heruntergebetet.

Ich glaube nicht daran, dass wir mit dem aktuellen Ansatz nennenswerte Erfolge erreichen werden. Resignieren werden ich aber dennoch nicht. An dieser Stelle möchte ich mich als Fan des Blogs Kantoos Economics outen. Dieser hat in den letzten Jahren bereits viele – für mich – spannende Blogeinträge zum Thema Griechenland verfasst. Man muss sicherlich nicht alle seine Einschätzungen teilen, lesenswert sind diese aber allemal.

Ich hoffe, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten gemeinsam eine geeignetere Politik im Euro-Raum entwickeln. Diese sollte im demokratischen Raum transparenter diskutiert und beworben werden und vorallem die hausgemachten Probleme in den Griff bekommen.

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Ist ein regressive Frauenbild – wie in den Liedern Lana del Reys – aus den Arbeitsmarktzahlen ableitbar?

Vor einigen Tagen habe ich das aktuelle Album von Lana del Rey hier zum hören verlinkt. Nun hat sie hiermit unter anderem in Deutschland Platz eins der Albumcharts erobert.

Die Lieder klingen wie aus einer anderen Zeit. Dem Retro-Trend hat sich bereits die Frankfurter Allgemeine Zeitung – wie ich finde zu harsch – angenommen. Mich macht der Text einiger Lieder stutzig. Welches Weltbild, oder genauer gesagt, welches Frauenbild findet sich in einigen ihrer Texte wieder?

Werfen wir doch einen Blick auf einige Zeilen.

Video Games

Open up a beer And you say get over here
[...]
I’m in his favorite sun dress
Watching me get undressed
Take that body downtown
[...]
Put his favorite perfume on
[...]
It’s you, it’s you, it’s all for you
Everything I do
[...]
I heard that you like the bad girls
Honey, is that true?
It’s better than I ever even knew
[...]
He holds me in his big arms
Drunk and I am seeing stars
This is all I think of

Million Dollar Man

One for the money, and two for the show
I love you honey, I’m ready, I’m ready to go
How did you get that way? I don’t know
[...]
It isn’t that hard boy to like you or love you
I’d follow you down down down,
You’re unbelievable If you’re going crazy
just grab me and take me
I’d follow you down down down,
anywhere anywhere?

Aus meiner Sicht wird die besungene Frau als ein Beiwerk oder Anhängsel des Mannes, der geradezu erhöht wird, dargestellt. Ich musste hierbei an Bilder aus den 50er Jahren denken, die im Wirtschaftswundermuseum zu finden sind. Ich bin nicht sehr bewandert in der amerikanischen Gegenwartskultur und auch nicht in den aktuellen Gepflogenheiten des Musikgeschäfts. Aber ist ein Rollenbild in der sich die Frau sehnsüchtig einem Manne unterordnet derzeit üblich?

Gibt es in der derzeitigen Krise eine Sehnsucht nach der “guten, alten Zeit” in der noch Aufbruchsstimmung und vermeintliche wirtschaftliche Prosperität herrschte? Wird die Sehnsucht nach dem “American Dream” hier gezielt befeuert? Ist dieses regressive Frauenbild zeitgemäß? Diese Fragen kann ich nicht beantworten. Meine Frage lautet vielmehr:

Ist das Rollenbild ökonomisch begründbar?

Die Beantwortung dieser Frage muss hier fragmentarisch bleiben, soll aber auf Grund von Arbeitsmarktzahlen angedeutet werden. Die Finanzkrise 2008 hat den Arbeitsmarkt in den USA stark in Mitleidenschaft gezogen, sodass die Arbeitslosenquote stark angestiegen ist:

Unemployment Rate - Total , Men & Women - 2002 to 2012 (in percent)

Unemployment Rate - Total , Men & Women - 2002 to 2012 (in percent)

Soweit so schlecht. Allerdings deutet sich hier bereits an, dass die Arbeitslosigkeit der nach der U.S. Statistik arbeitsuchenden Frauen systematisch niedriger ist als bei den Männern. Zudem hat die die Krise gerade zu Beginn die Männer deutlich stärker getroffen, dass deren Arbeitslosenquote auf bis zu 10,7 Prozent nach oben schnellte.

Werfen wir nun noch einen Blick auf die unterschiedliche Beteiligung von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt seit 1950:

Annual Employment-Population Ratio 1950 to 2011 - Man and Women (in percent)

Annual Employment-Population Ratio 1950 to 2011 - Man and Women (in percent)

Hier wird eine diametral unterschiedliche Entwicklung der Erwerbstätigenquote zwischen Männern und Frauen in den USA deutlich. Waren vor 50 Jahren nur etwa 36 Prozent der Frauen in den Arbeitsmarkt integriert und damit prozentual weniger als halb so viele wie bei den Männern, ist ihr Anteil auf bis zu knapp 57 Prozent kurz vor der Krise gestiegen. Hier gab es also zwischen den Geschlechtern “nur” noch einen Spread von gut 10 Prozent.

Betrachten wir als letztes die geschlechtsspezifische Einkommensentwicklung der Kinder im Vergleich zu ihren Eltern:

Percent change of constat-dollar median usual weekly earnings, by educational attainment and sex, 1979-2009

Percent change of constat-dollar median usual weekly earnings, by educational attainment and sex, 1979-2009

Auffällig ist, dass die Männer ohne Hochschulabschluss die großen Verlierer der Einkommensentwicklung der USA der letzten dreißig Jahren sind. Frauen dagegen konnten ihr Einkommen im Vergleich zur Elterngeneration überwiegend wenn auch zum Teil nur leicht steigern.

Folgende Punkte können daher vorläufig festgehalten werden:

  • Der Anteil der Erwerbstätigen Frauen nahm im Unterschied zu den Männern seit den fünfziger Jahren stark zu.
  • Die Einkommensentwicklung der Männer ist in der Breite schlechter als bei den Frauen.
  • Historisch sind mehr arbeitswillige Männer als Frauen nicht erwerbstätig. Zudem hat die Arbeitslosigkeit in der Krise die Männer stärker getroffen als die Frauen.

Aus meinem Bauchgefühl heraus würde ich sagen, dass alle drei Punkte zum großen Teil auch durch Niveauunterschiede erklärt werden kann: Die Männer waren Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts zu großen Teilen im Arbeitsmarkt eingebunden. Das Einkommensniveau der Arbeitnehmer lag deutlich über dem Einkommensniveau der Arbeitnehmerinnen. Männer sind stärker in Branchen beschäftigt, welche von der Krise betroffen waren (z.B. im Baugewerbe).

In diesem Prozess verzeichnet die ökonomische Gleichberechtigung dennoch beachtliche Fortschritte, wenn diese auch in den letzten zehn Jahren teilweise stagnieren. Da sich mit einer stärkeren Partizipation der Frauen im Arbeitsmarkt in der Regel auch die hierarchischen Strukturen in den Familien ändern, ist aus meiner Sicht die Position der Frauen in Familie und Gesellschaft gestärkt worden.

Ökonomisch lässt sich aus den Arbeitsmarktzahlen daher die Sehnsucht nach einer auf klassischen Rollenbildern basierenden Gesellschaft – zumindest für die Frau – nicht ableiten.

Vielmehr sind die Familien heutzutage auf Grund der schwierigeren Erwerbsituation des Mannes oftmals darauf angewiesen, dass auch die Frau einer erwerbstätigen Beschäftigung nachgeht. Möglicherweise begründet aber gerade dieser Zwang zum Verdienen die Unzufriedenheit, da aus der Gleichberechtigung der Frau neue ökonomische und gesellschaftliche Zwänge erwachsen.

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Rolling Stone Magazine Top 100 Songs | 8tracks

Hi folks,

I have an other music suggestion for you.

On 8tracks I found a great compilation called Rolling Stone Magazine Top 100 Songs.

As far as I know the are songs elected by the Rolling Stone Magazine in 2004.

It´s a good mix even though there are some songs not playable (really? mhh).

Give it a try :)

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Unterseite für Bücher ist online!

Hi liebe Bücherwürmer,

als ich mich entschieden habe diesen Blog zu realisieren, habe ich mich bewusst dazu entschieden diesem Blog eine gewisse Breite zu geben. Allerdings wollte ich mich vor allem auf einige Schwerpunkte besonders konzentrieren:

  • Musik die ich gerne höre,
  • ökonomische Themen die mich um treiben (das wird noch schwierig genug),
  • gesellschaftliche Tagesfragen zu denen ich eine Meinung habe,

und

  • Bücher die ich lese(n möchte).

Ich habe zwar kein Literaturstudium absolviert und sehe mich auch nicht als ultimativen Bücherwurm. Aber dennoch lese ich sehr gerne – auch wenn ich hierfür eigentlich viel zu wenig Zeit habe. Daneben höre ich gerne Hörbücher.

Daher habe ich nun einen Unterseite für meine Bücher eingerichtet, in der Ihr nachvollziehen könnt was ich gerade lese beziehungsweise vor kurzem oder längerem gelesen habe. Klickt einfach oben auf das Wort Books und ihr seid am Ziel.

Ich hoffe, dass ich in Zukunft auch die Zeit finden werde einzelnen Bücher hier im Blog vorzustellen und aufzubereiten.

Die Seite befindet sich natürlich in der Entwicklung und im Wandel, dennoch wünsche ich euch viel Spass beim lesen und freue mich auf Kommentare :)

Gruß,

hetone

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It´s almost spring … the garden wants action!

Do you have a (little) garden, balcony or better a green house? Perfect! Then why not cultivate some tomatoes, chili, Habanero or other useful plants?

Check out Semillas. There you can buy seeds of many nice plants. For example stevia.

In addition to this there are very good tutorial videos like this one:

Have fun and a good yield.

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Der Mythos von Sisyphos

Derzeit beschäftige ich mich ein wenig mit dem Sinn der Dinge. So lief mir auch Albert Camus über den Weg. Wohl nicht ganz zufällig…

Wie dem auch sei. Ich möchte gerne aus dem Buch Der Mythos von Sisyphos zitieren (S. 46):

Es gibt einen offenkundigen und anscheinend durchaus moralischen Tatbestand: ein Mensch ist immer das Opfer seiner Wahrheiten. Hat er sie einmal erkannt, so kann er sich von ihnen nicht freimachen.

In dieser Aussage stecken folgenschwere Konsequenzen. Das erkannte Wahrheiten es vermögen einen ganzen Mensch binnen Sekunden auf links zu drehen. Kennt Ihr diese Momente im Leben in denen Ihr etwas erkennt und für wahr befindet? Dies kann – je nach Erkenntnis und Thema – ein so tiefgreifender Moment sein, dass danach nichts mehr wie zuvor ist.

Gewiss hierdurch ändert sich oftmals das eigene Handeln nicht augenblicklich und elementar, aber der Blick mit dem man auf “die Welt” schaut doch. Bei jedem liegt der Hase in einem anderen Pfeffer. Bei Camus heißt es hierzu

Man muß eine Kleinigkeit bezahlen. Ein Mensch, dem das Absurde bewußt geworden ist, hat keine Zukunft mehr.

Was daraus folgt ist nicht unspannend. Allerdings sind Wahrheiten immer individuell und subjektiv. Dies steigert die Spannung und nötigt jeden Menschen dazu sich – sofern gewollt (wobei es ja doch meistens ungewollt ist) sich mit den eigenen Wahrheiten und deren Konsequenzen auseinander zu setzen. Welche Wahrheiten glaubt Ihr erkannt zu haben? Mich selber muss ich fragen: Welche Wahrheiten meine ich erkannt zu haben?

Wir alle müssen uns aber vor allem fragen: Was folgt für uns daraus daraus?

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